
Als ich ungefähr acht Jahre alt war, kursierte eine mirakulöse Bezeichnung für die Ursache meines so genannten Zappelphilipp Syndroms: MCD. Minimale Cerebrale Dysfunktion.
Mein Vater erklärte mir das so: “Eine Cerebrale Dysfunktion haben” sei Fach-Chinesisch und könne auf verschiedene Weise ins Deutsche übersetzt werden: “Einen Sprung in der Schüssel haben”, “eine Schraube locker haben” oder “nicht alle Tassen im Schrank haben”. Und das “Minimale” meiner “Cerebralen Dysfunktion” bedeute, dass es bei mir nur ein “klitzekleines Sprünglein”, ein “lockeres Schräubchen” oder ein “fehlender Eierbecher” wäre, weshalb man sich keine allzugroßen Sorgen machen müsse.
Für mich klang das Wort “cerebral” immer nach “zebral” und damit nach “Zebra”. Das gefiel mir. Denn Zebras faszinierten mich, es waren Pferde, die sich nicht reiten ließen. Die sich nicht zähmen ließen. Man konnte sie einsperren, aber man konnte sie nicht brechen. Das gefällt mir immernoch.
Abb. aus: Schriftenreihe der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte, Band 241: Psychisch beeinträchtigte Kinder und Jugendliche, 2. Aufl. 1987, S. 21.
[Vgl. hgl_108 (I)]
---- 2007-01-02 18:52 tsz ----|