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3. Teil: Der scheele Blick des Vorsitzenden Dayras

Am 26. April 1894 wird Félix Fénéon vehaftet, weil man in seinem Büro Zündkapseln gefunden hat. Er wird dem vorsitzenden Richter Dayras vorgeführt, der ihn verdächtigt, ein Anarchist mit - womöglich bereits ausgelebten - Bombenattentatsgelüsten zu sein. Hier das vielsagende Protokoll der Verhandlung (leicht gekürzt):

Dayras: Ihre Conçierge versichert, dass bei Ihnen verdächtig wirkende Leute verkehren. Fénéon: Bei mir verkehren nur Schriftsteller und Maler. Dayras: Der Anarchist Matha hat bei Ihnen gewohnt, als er nach Paris kam. Fénéon: Vielleicht hatte er kein Geld. Dayras: Im Laufe der Untersuchung haben Sie es abgelehnt, Auskünfte über Matha und Ortiz zu geben. Fénéon: Ich war darauf bedacht, nichts zu sagen, was sie kompromittieren könnte. In Ihrem Falle, Herr Vorsitzender, würde ich nicht anders handeln, wenn es je soweit kommen sollte. Dayras: In Ihrem Büro wurden Zündkapseln gefunden, wo stammen sie her? Fénéon: Mein Vater hat sie auf der Straße aufgelesen. Dayras: Wie erklären Sie sich, dass man Zündkapseln auf der Straße finden kann? Fénéon: Der Untersuchungsrichter hat mich gefragt, weshalb ich sie nicht zum Fenster hinausgeworfen habe, anstatt sie ins Ministerium mitzunehmen. Wie Sie sehen, kann man also durchaus Zündkapseln auf der Straße finden. Dayras: Sie haben gesagt, Sie hätten nicht geglaubt, dass diese Zündkapseln explodieren könnten. Nun hat aber Herr Girard Experimente gemacht, bei denen festgestellt wurde, dass sie durchaus gefährlich sind. Fénéon: Das beweist, dass ich mich getäuscht habe.

Kurz darauf wird die Verhandlung vertragt und nie wieder aufgenommen.

Zitate aus: Jean Paulhan, F.F. oder der Kritiker, in: Félix Fénéon, 1111 wahre Geschichten, Frankfurt a.M. 1993, S. 7-43: S. 16 ff.

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